Wir beleuchten Hintergründe und aktuelle Geschehnisse

Eine ganze Branche unter Verdacht

Nachdem die Staatsanwaltschaft letzte Woche bereits die Räumlichkeiten von Audi durchsucht hat, gerät jetzt auch Daimler unter Verdacht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Ermittlungen gegen Daimler-Mitarbeiter aufgenommen, wegen des Verdachts auf Betrug im Zusammenhang mit Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen. Ein Sprecher der Behörden sagte hierzu: „Wir ermitteln gegen namentlich bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung.“

In den letzten Monaten ist im Zuge des Abgasskandals nicht nur der Wolfsburger Konzern selbst, sondern auch der Zulieferer Bosch ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Aber auch in anderen Ländern rief der Verdacht auf Manipulationen Behörden auf den Plan.

In Frankreich laufen derzeit Ermittlungen gegen Renault und Fiat. Die französische Wettbewerbs- und Antibetrugsbehörde hatte bereits im Dezember 2016 die Renault Gruppe ins Visier genommen. Die Ermittler verdächtigen den Hersteller die Motoren seiner Fahrzeuge seit mehr als 25 Jahren manipuliert zu haben. Renault bestreitet den Betrug bisher vehement. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre dies nicht nur ein harter Schlag für Renault, sondern würde auch einmal mehr das Versagen auf ganzer Linie der Politik bekräftigen.
Des Weiteren leitet die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Fiat-Chrysler ein, welche nun den Ermittlungsrichtern anvertraut wurden. Der Vorwurf der Behörden lautet: „Täuschung über die wesentlichen Eigenschaften und die Qualitätssicherung mit der Folge, dass die tatsächlich in Verkehr gebrachte Ware eine Gefahrenquelle für Mensch und Tier darstellt.“ Auch Fiat-Chrysler weist zum erneuten Male alle Vorwürfe einer Beteiligung an dem Abgasskandal zurück.

Es werden wohl noch einige Wochen vergehen, bis hier auf weitere Details zu hoffen ist. Naja ein Hoffnungsschimmer bleibt – zumindest Opel scheint laut Aussagen der Behörde nicht betrogen zu haben.

Quellen zum Thema:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/daimler-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-auf-diesel-betrug-a-1140000.html
http://www.lemonde.fr/economie/article/2017/03/16/dieselgate-tout-comprendre-au-cas-de-renault_5095763_3234.html
http://www.lemonde.fr/automobile/article/2017/03/22/moteurs-truques-apres-vw-et-renault-enquete-sur-fiat_5098855_1654940.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/verdacht-der-taeuschung-bei-abgaswerten-franzoesische-justiz-ermittelt-gegen-fiat/19551758.html

Urteil um Urteil – Auto um Auto

Peter Wagner (Name geändert) fährt einen VW Touran (2.0 l, TDI, Baujahr 2012). Im guten Glauben, dass sein Pkw wenig verbraucht und ein »sauberes« Fahrzeug ist, hatte er es zum Neupreis von 32.000 Euro erworben. Doch leider ist auch sein Fahrzeug vom Abgasskandal betroffen. »Ich bin ein treuer VW-Kunde seit 25 Jahren. Ich bin ein überzeugter VW-Fahrer, nur das, was man jetzt mit den Kunden macht, ist einfach ein Verprellen. Ich wünsche mir, dass viel mehr Kunden wach werden«, so Wagner. Seit drei Monaten versucht er das Fahrzeug zu verkaufen – jedoch vergeblich. Deshalb geht er jetzt gemeinsam mit myRight gegen den VW-Konzern vor und verlangt die Rücknahme des Wagens gegen Rückerstattung des Kaufpreises. Und die Chancen stehen gut!

Auch das neuste Urteil zeigt, dass die Tendenzen der Gerichte im Sinne des Verbrauchers sind. Das am Dienstag, den 21. März 2017, bekannt gewordene Urteil des Landgerichts Offenburg (3 O 77/16) ist – nachdem bereits im Januar das LG Regensburg einen Seat-Händler zur Nachlieferung verurteilt hatte – ein weiteres sehr verbraucherfreundliches Urteil: Das Autohaus muss ein einwandfreies fabrikneues typenidentisches Ersatzfahrzeug aus der aktuellen Serienproduktion mit identischer technischer Ausstattung liefern, gegen »Rückübereignung« des mangelhaften VW Tiguan. Der Kläger machte gegenüber seinem Autohaus Gewährleistungsansprüche geltend, noch bevor das von der Volkswagen AG entwickelte Softwareupdate durch das Kraftfahrt-Bundesamt freigegeben wurde.

Mit der Begründung, dass der Pkw wegen seines nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechenden Emissionsverhaltens und der unzulässigen Abschalteinrichtung mangelhaft gewesen sei, folgte das Gericht der Ansicht des Geschädigten. Das beklagte Autohaus könne sich auch nicht darauf berufen, so Landgerichtspräsident Christoph Reichert, dass die Kosten der Nachlieferung unverhältnismäßig seien. Zum Zeitpunkt, als der Käufer Gewährleistungsansprüche geltend machte, sei eine Nachbesserung noch nicht möglich gewesen, da das Kraftfahrt-Bundesamt erst später das Softwareupdate für den Motor EA 189 freigegeben hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Autohaus kann noch Berufung beim Oberlandesgericht Karlsruhe einlegen.

Radiobeitrag HR:
http://www.hr-inforadio.de/themen/audio/audio-4374~_story-vw-dieselgate-100.html

Weitere Informationen:
http://www.badische-zeitung.de/offenburg/abgas-skandal-zieht-kreise–134792897.html

Musterklage die Dritte – Jetzt auch gegen Audi

Spätestens seit der Razzia bei Audi am 14.3.2017 kann keiner mehr an der Unbeteiligtheit Audis am Abgasskandal zweifeln. Recherchen der Süddeutschen Zeitung und der ARD haben ergeben, dass am Mittwoch, dem 15. März 2017, die Büros der Konzernzentrale im oberbayrischen Ingolstadt, Gebäude in Baden-Württemberg und VW-Standorte in Niedersachsen von der Polizei durchsucht wurden. mehr lesen…

Hat der Abgasskandal wirklich ein Ende?

Die Meldungen vom 15. März 2017, dass Fiat Chrysler einen Rückruf manipulierter Dieselautos plant, bewahrheiten sich nicht. Vielmehr hat Fiat Chrysler bereits im Februar 2016 eine »Servicekampagne« gestartet, um das Abgasverhalten von Diesel-Varianten des Fiat 500X, des Fiat Doblo und des Geländewagens Jeep Renegade zu verbessern. mehr lesen…

Ein erster Erfolg für myRight: Der Inhaftierte VW-Manager Oliver Schmidt wird befragt

Wie bereits im Zuge der letzten Musterklage im Februar 2017 angekündigt, hat myRight die Vernehmung des VW-Spitzenmanagers Oliver Schmidt in den USA beantragt.

Oliver Schmidt war von 2012 bis 2015 leitender Manager des VW-Umwelt- und Ingenieurbüros in den USA. Dem Manager wird vorgeworfen, eine tragende Rolle bei der Vertuschung gespielt zu haben. Gut informiert, soll Schmidt bereits 17 Monate vor Bekanntwerden des Abgasskandals führende Manager über die Problematik unterrichtet haben. mehr lesen…